LE(D)-UV_Druck aus ökologischer Sicht

Am 28. März 2017 wurde auf einer InaP-Veranstaltung im DBM Druckhaus Berlin-Mitte (DBM) über die Umweltbelastungen des neuen UV-Drucks informiert und diskutiert. Referenten waren Roland Schröder, Produktmanager UV-Farben beim Farbhersteller hubergroup Deutschland, und Dr. Frank Wenig, Leiter Technologie des Recyclingpapier-Herstellers Steinbeis Papier.

 

Das Publikum, das sich rege an der durchaus kontroversen Diskussion beteiligte, bestand aus Vertretern von Druckmaschinenherstellern, Verlagen, Kunden und Projektpartnern. Moderiert wurde die Veranstaltung von Christin Lieke, Umweltbeauftragte des DBM.

Große Unsicherheit hinsichtlich der Umweltverträglichkeit beim LE(D)-UV-Druck
Martin Lind, Geschäftsführer des DBM Druckhaus Berlin-Mitte, wies bei der Begrüßung von Publikum und Referenten auf eine große Unsicherheit beim LE(D)-UV-Druck hin, die durch widersprüchliche Aussagen zur Umweltverträglichkeit dieser Drucktechnik entstanden sei. Dazu zitierte er u.a. die INGEDE (Internationale Forschungsgemeinschaft Deinking-Technik), der auch Steinbeis Papier angehört, die bereits mehrfach auf die nicht mögliche Deinkbarkeit von UV-Printobjekten hingewiesen hatte. Auf der anderen Seite würden Druckereien die LE(D)-UV-Technik als umweltfreundlich bewerben. Dabei verwiesen sie v.a. auf den niedrigen Energiebedarf der LED-Strahler gegenüber herkömmlichen UV-Lampen. Lind erinnerte an eine Aussage von Dr. Achim Schorb vom ifeu Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg, der kürzlich als Referent im Druckhaus Berlin-Mitte warnte: „Die Printbranche muss aufpassen, dass sie nicht als Umweltverschmutzter rüberkommt.“ Anschließend übergab Lind das Wort an Roland Schröder von der hubergroup Deutschland.

Für Klarheit sorgen
Schröder begann mit dem Hinweis, dass allein seine Teilnahme an der  Podiumsdiskussion für einige Unruhe gesorgt habe. Schon am Tag der Einladung durch das DBM Druckhaus Berlin-Mitte habe er diverse Nachrichten erhalten – nicht nur in freundlichem Ton. Diese Punkte belegten bereits, wie wichtig es sei, für Klarheit zu sorgen und den aktuellen Stand zum LE(D) UV-Druck auch aus Sicht der hubergroup darzustellen.


Anhand von Marktzahlen zeigte Schröder auf, dass der Verkauf von Offsetdruckfarben seit Jahren leicht rückläufig ist. Andererseits wachse der Umsatz mit LE(D)-UV-Farben. Es sei aber bei weitem nicht so, dass sich der Farbbedarf beider Drucksysteme gegenseitig kompensieren. Verpackungshersteller, Markenartikler und Designer gäben die Trends vor. Und der gehe zurzeit eindeutig Richtung UV.

Deinking und Recycling von UV-Farben nicht zufriedenstellend
Aus Sicht der hubergroup sei der Status quo beim Deinking und Recycling von UV-Farben nicht zufriedenstellend. Die Gründe hierfür lägen vor allem in einer „falschen“ Verbandsarbeit und zu wenig Druck von außen, aber auch daran, dass die Thematik nicht im Fokus von Markenartiklern, Agenturen und Endkunden stehe. Die hubergroup bleibe definitiv bei diesem Thema „dran“. Fakt ist: UV-Farben sind nicht bzw. nur sehr schwer deinkbar
Schröder weiter: „Wenn man sich die Strecke zum Deinking für UV-Farben als 100-m-Lauf vorstellt, sind wir beim dritten Meter“.


Ein Partner bei der Herstellung ökologischer Papiere ist Steinbeis Papier. Laut Unternehmensangaben ist es seit 1976 auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft ausgerichtet. Die Rohstoffbasis zur Herstellung von grafischen Recyclingpapieren besteht aus 100 % Altpapier. Steinbeis wurde mit den Umweltsiegeln „Blauer Engel“, „EU-Ecolabel“ und „Cradle-to-Cradle“ zertifiziert. Das Unternehmen und dessen Sicht auf die Ökologie von UV-bedruckten Printobjekten wurde von Dr. Frank Wenig vorgestellt.

… mit UV-Technik bedruckte Papiere für die Herstellung grafischer Recycling-Papiere ungeeignet
Da UV-Printobjekte bereits seit einigen Jahren auf dem Markt sind, stelle sich für sein Unternehmen schon länger die Frage, wie man diese Papiere deinken könne. Verschiedenste Tests, die bis heute durchgeführt würden, belegten, dass ein befriedigendes Deinking nicht möglich sei und dass die mit UV-Technik bedruckten Papiere für die Herstellung grafischer Recycling-Papiere ungeeignet sind. Es sei trotz vielfältiger Bemühungen nicht gelungen, die Druckfarben, die beim UV-Druck aushärten, hinreichend zu entfernen. Bereits 2008 machte die INGEDE auf diese Problematik aufmerksam, zuletzt 2015 mit einer Pressemitteilung.


Mit Fotos von „normalen“ und UV-bedruckten Papieren nach dem Recycling zeigte Wenig anschaulich auf, dass ein ausreichendes Deinking von UV-Druckobjekten bis heute nicht möglich ist. Deshalb könnten diese Druckobjekte grundsätzlich nicht für die Herstellung grafischer Papiere recycelt werden. Ein zu hoher Anteil von UV-Druckobjekten in der Rohstoffbasis, d.h. besonders bei Altpapieren, die bei Druckereien anfallen, habe bei Steinbeis Papier schon zu erheblichen Mengen an Ausschuss beim Recyclingprozess geführt. Grafische Papiere verlangen ein Mindestmaß an Sauberkeit und Weiße, nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern auch um z. B. darauf gut lesbare QR- oder Barcodes abbilden zu können.
Dr. Wenig wies darauf hin, dass es durch den zunehmenden UV-Druck immer schwerer wird, hochwertiges, grafisches Recyclingpapier herzustellen.

ausgehärtete UV-Farben sind Plastik
Die praktischen Beispiele zeigten, wie viel Plastikschmutz durch den UV-Druck entsteht. Denn ausgehärtete UV-Farben sind Plastik. Plastikmüll ist eines der großen Problemfelder beim Thema Umweltschutz. Nachhaltigkeit kann mit UV-Druck-Objekten daher nicht erzielt werden.


Im Anschluss an die Vorträge begann die von Christin Lieke moderierte Fragerunde, an der sich das Publikum lebhaft beteiligte.

Eine erste Frage bezog sich auf die Gesundheitsverträglichkeit der UV-Farben selbst, insbesondere vor dem Erreichen ihrer endgültigen Aushärtung. Diese gelingt nur mit einwandfrei funktionierenden und bedienten Druckmaschinen. Vor der Aushärtung der Druckfarben soll aus Gesundheitsgründen kein Hautkontakt stattfinden. Laut Aussagen von Schröder und den anwesenden Druckmaschinenherstellern ist es beim UV-Druckprozess Pflicht, Schutzkleidung zu tragen.


Des Weiteren wurde vom Publikum die Frage gestellt, ob es möglich sei, UV-Druckfarbe zu erkennen, sei es vom Endverbraucher oder auch vom Fachmann. Antwort der anwesenden Spezialisten: UV-Druck ist selbst für einen Fachmann schwer zu erkennen.


Es bestand Einigkeit bei allen Beteiligten, dass eine Optimierung des Deinkings von UV-Druckprodukten notwendig ist. So soll der Anteil an Plastikmüll reduziert werden und das Papierrecycling nicht weiter behindert werden. Dies ist aber auf absehbare Zeit nicht möglich!

Ein Vertreter eines Druckmaschinenherstellers erläuterte, dass ein Teil seiner Kunden nicht auf UV-Druck verzichten wolle. Es gäbe auch keine Marktmacht, um hieran etwas zu ändern. Zeitdruck und auch die Möglichkeiten dieses Druckverfahrens selbst sind laut Druckmaschinenherstellern die Argumente für den UV-Druck. Das Thema Ökologie sei nachrangiger.

Verstärkte Abwanderung in digitale Medien
Aus dem Publikum wurde dazu die Befürchtung geäußert, dass mit dieser Herangehensweise, Papier und Druck ein immer schlechteres Image bekämen und dadurch eine verstärkte Abwanderung in digitale Medien erfolgen könnte.
Für den Verlag, der vorrangig Blauer Engel Recyclingpapier für seine Druckprodukte einsetzt, bestehe außerdem die Gefahr von nicht tragbaren Kostensteigerungen durch den höheren Aufwand beim Recycling.

Es wird daran gearbeitet, dass das Deinking ermöglicht wird, aber eine Lösung ist in absehbarer Zeit nicht erkennbar.
Fazit der Veranstaltung: Es ist derzeit nur schwer möglich, Printobjekte, die im UV-Druck bearbeitet worden sind, zu deinken und damit auch hochwertig zu recyceln. Das ist von allen Beteiligten bestätigt worden. Es wird daran gearbeitet, dass das Deinking ermöglicht wird, aber eine Lösung ist in absehbarer Zeit nicht erkennbar.

 

Kunden in der Verantwortung

Ob eine Druckerei aufgrund eines vermeintlich geringeren Energieverbrauches den LE(D)-UV-Druck als ökologisch wertvoll bewirbt, muss jeder mit sich selbst ausmachen.
Es bleibt aber vor allem den Druckereikunden überlassen, zu entscheiden, ob Sie im Interesse kürzerer Produktionszeiten den LE(D)-UV-Druck einsetzen und damit ökologische Nachteile in Kauf nehmen. Es ist  de facto so, dass diese UV-Printobjekte der Umwelt keinen Gefallen tun.

Startschuss für Kooperationen
Infotage wie diese Veranstaltung im DBM Druckhaus Berlin-Mitte sind wichtig, um Aufklärungsarbeit zu leisten und Unsicherheiten zu beheben. Dies sind alle Beteiligten nicht zuletzt dem Endverbraucher schuldig. Zugleich kann diese Veranstaltung ein Startschuss für Kooperationen gewesen sein, die dazu beitragen, die unstrittigen Probleme mit UV-Printobjekten zu beheben. Wenn dies auch nicht kurzfristig gelingen wird - die Umwelt würde es danken.

 

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