Das Gewerbegebiet Naumannstraße

 

Text: Ulf Schumann

 

Das Gewerbegebiet Naumannstraße ist ein Teil der Roten Insel mit einer Vergangenheit, die zum zivilen Charakter des Viertels und seiner politischen Historie nicht recht zu passen scheint: Große Flächen wurden über Jahrzehnte vom Preußischen Militär genutzt. Auf einem Teil des Geländes, auf dem das Druckhaus Berlin-Mitte seinen neuen Standort gefunden hat, standen bis 1955 die Ruinen
des im Zweiten Weltkrieg zerstörten ehemaligen Preußischen Militärbahnhofs Schöneberg.

 


Als „Herzstück“ einer starken Garnison, die in einer wuchtigen Kaserne in der Kesselsdorfer Straße untergebracht war, diente die Militärbahn ab 1875 Truppentransporten zu Übungsplätzen in Brandenburg; später dampften auch
zivile Züge Richtung Jüterbog. Dort, wo heute das Gewerbegebiet Naumannstraße besteht, übten Eisenbahnpioniere bis zum Ersten Weltkrieg Brückenbau und Schienenverlegen auf freiem Feld.

 


Es existieren nicht mehr viele Gebäude, die von der militärischen Vergangenheit des Geländes zeugen: Die Havellandschule ist in den Gebäuden der ehemaligen
Eisenbahnbrigade untergebracht, ein Wohnhaus in der Wilhelm-Kabus-Straße wurde früher als Materialdepot genutzt und genau gegenüber vom Druckhaus Berlin
Mitte beherbergte das unscheinbare kleine gelbe Haus das damalige Rampendepot.

 

Mit dem Ausbau der Stichstraße auf das Bahngelände zur Wilhelm-Kabus-Straße vor wenigen Jahren verschwanden auch die letzten Gleisreste auf dem Gewerbegebiet.

 


Nach 1918 und dem Ende des Kaiserreiches endete auch die Zeit der Militärbahn und der Eisenbahnbrigade. Das Gelände wurde als Güterbahnhof noch bis 1945 genutzt,
nach und nach erhielt das Gebiet durch Ansiedelung zahlreicher Betriebe das Gesicht, das es bis heute im Großen und Ganzen hat. Kleine Werkstätten, Autoschrauber oder
auch ein privates Museum, das sich der Geschichte der West-Alliierten widmet, prägen das Bild. Viel wurde in die alten Bauten in den letzten Jahrzehnten nicht investiert, einige der Gebäude stehen leer.

 


Veränderungen deuten sich aber auch hier auf dem etwas verschlafenen Gelände an: Mit dem Bau der Wilhelm-Kabus-Straße und dem Bahnhof Südkreuz hat das Gebiet
eine exzellente Verkehrsanbindung erhalten. Der Büroartikelhersteller Iden hat vor wenigen Jahren einen großen Neubau errichtet und erst vor kurzem erwarb der Investor Nicolas Berggruen 80.000 qm des Gewerbegebiets und wirbt derzeit um neue Mieter aus dem Kreativsektor und verpasste dem Gebiet einen neuen Namen: „Naumannpark“. Es könnte spannend werden in den nächsten Jahren.

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